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Eine Psychoanalyse der Mobililtät

Aktualisiert: 11. Dez. 2023

Alle Wege führen nach Rom. Und nicht nur das. Darüber hinaus gibt es den immer bunter werdenden Topf der Artenvielfalt diesen Weg zu bestreiten. Das erste Automobil wurde 1886 gebaut, das erste Liegefahrrad sieben Jahre später. Wir geben eine Übersicht:

Deutsche Großstädte sind ein Schmelztiegel der Fortbewegungs-Individualisten. Und auch -Nichtindividualisten. Lebenskonzept, religiöse Ausrichtung, sexuelle Neigung und nicht zuletzt der soziale Status entscheiden häufig die Wahl der Mobilitätslösung. Und nicht immer ist es wie es scheint. Wo alleinstehende Erdkundelehrer in Cordhose und Karohemd, auf dem Baumarktparkplatz mit dem “Rankgitter Korsika“ für die heimische Clematis-Zucht, am Ladevolumen des Car Sharing Corsa noch klischeegerecht verzweifeln, gesellen sich schnell Motorenbauingenieure mit IG Metall Hintergrund in vollverkleideten Velomobilen oder weiße Cis Mitglieder der Grünen Partei, in selbstzündenden Euro 5 SUVs. In aller Seelenruhe gehen Anhänger der FKK Kultur, Abonnenten der “Angel Woche“ und überzeugte Wähler der Gartenpartei, in Beckenboden stimulierender Körperhaltung auf vereinzelten Stepper-Bikes ihrer exhibitionistischer Veranlagung im zäh fließenden Berufsverkehr nach. Die Pferdestaffel der Landespolizei versucht unterdessen auf ihren nicht CO2 neutralen Fortbewegungsmitteln den Überblick zu bewahren, während sich Autofahrer über Fahrräder auf der Straße und Fahrradfahrer über E-Roller auf dem Radweg beschweren. Anwaltstöchter und Arztsöhne mit Intifada-Schal und Zentrum-des Unviersums-Syndrom zünden Autos an und Autofahrer auf Psychopharmaka, Kokain und manchmal einfach nur Sojamilch-Latte lenken ihre Cayennes und GLE Coupés in Schaufenster und Straßenkaffees. Und – die Zulassungsstatistiken lügen nicht – es gibt immer noch ein paar Mantafahrer, welche hier und da ihre Eurodance Classics durch die kofferraumfüllenden Bassrollen der Neunziger pumpen, und sich in sicherer Umarmung von H-Gurt und Schalensitz, vor Ikea-Einkauf und Raclette Abend in ihre ganz persönliche Peter Pan Welt flüchten. Wer wundert sich da noch über Laufhausbetreiber, die bei der KfW erste Anträge für die Förderung der Wallboxen ihrer Etablissements einreichen. Wo sich künftige Top-Manager der Gigfactory oder ja vielleicht sogar Brandenburgs Wirtschaftsminister diskret entladen können, wird das Modell S gleichzeitig wieder vollgeladen. So geht effiziente Infrastruktur!


Dieser nur flüchtig gewagte Blick macht bereits deutlich: hier prallen Welten aufeinander, und zwar mit voller Wucht. Diverse Individuen wollen von A nach B kommen und nehmen dabei das persönlich gewählte Beförderungskonzept als das Ideal wahr. Was für den Einzelnen noch stimmen mag, trifft im Umkehrschluss jedoch fast nie auf die Allgemeinheit zu. Die meisten Erdkundelehrer hätten die Sportkupplung des Mantas längst gegrillt, bevor sie den Bauhaus-Parkplatz überhaupt verlassen hätten. Fehlende Körperspannung und Feinmotorik ließen Jörg Steinbach bereits beim Einstieg in das Velomobil scheitern. Und führende Rotlichtgrößen wären im Car Sharing Corsa genauso unglaubwürdig wie autonome Aktivisten im Tesla Modell S bei Protesten im Hambacher Forst.


Wir sollten also aufhören unsere Lebenskonzepte Anderen aufzuzwingen und uns stattdessen der Freiheit und Unabhängigkeit in unserem Land und der daraus resultierenden Vielfalt auf den Straßen erfreuen. Ich für meinen Teil, werde weiterhin einfach mitschreiben.

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